Wichtige Informationen: (Translation in progress)

Daten nach Archäobotanik Zach  


Für die Probennahme zur archäobotanischen Auswertung gelten gewisse internationale Standarts. Hier seien kurz genannt:


  • Probenmenge: 10 Liter pro Probe, vor Austrocknen schützen.
  • Probenanzahl: am besten zufallsmäßig über die Grabung verteilt. Zusätzlich Proben aus sichtbar Pflanzenreste   führenden Schichten. Wenn möglich nicht weniger als 10 Proben nehmen.


 

Probennahme-Strategie:


1. Grundsätzliches


Die auf einer Grabung entnommenen Proben sind Stichproben aus einer Ablagerung: sie sollen diese repräsentativ erfassen, d.h. jeder (erhaltene) Pflanzenrest sollte die gleiche Erfassungschance haben. Aus diesem Grund ist bei der Probenentnahmevon statistischen Grundsätzen auszu-gehen, immer unter Berücksichtigung des archäologischen Befundes. Die Arbeit der Archäobotanik beginnt nicht erst im Labor: sehr wichtig ist es, schon während der Grabung die Bedingungen kennenzulernen, um zusam- men mit den Ausgräbern die Strategie der Probenahme zu besprechen und sich einen Überblick über die Befunde zu verschaffen. Durch den/die Archäobotaniker sollten wenn möglich während der Grabung Testproben geschlämmt werden, um den Probenumfang in etwa festzulegen und die Fragestellung zu verfeinern. Auch sind Spezialfälle mit allen Beteiligten zu begutachten.


Um chronologische Entwicklungen darstellen zu können und Vergleiche zwischen Siedlungsplätzen einer Epoche durchzuführen, müssen Ergebnisse einer grossen Zahl von Fundstellen vorliegen, was bis heute in Mitteleuropa erst von wenigen Orten der Fall ist.

 


Wie sind die pflanzlichen Reste erhalten?


1.    Unverändert ("unverkohlt") erhalten sich biologische Reste über längere Zeiträume hinweg meist nur unter günstigen Bedingungen wie etwa kontinuierliche Nässe im Grundwasserbereich, unter sogenannter Feuchtboden-Erhaltung.


2.    Unverkohlt können sich Pflanzenreste auch unter extrem trockenen Bedingungen erhalten. Hier ist Wassermangel der Grund dafür, daß es keinen biologischen Abbau gibt. Das Pflanzenmaterial ist oft brüchig.


3.    Bei den meisten Ablagerungen in unseren Breitengraden hat man es mit Böden von "lehmiger", sandiger bis kiesiger Konsistenz zu tun, die  trocken bis feucht sind und ausserhalb des Grundwasserbereiches liegen: sogenannte Trocken- oder Mineralboden-Erhaltung. Pflanzenreste erhalten sich fast ausschliesslich in verändertem, d.h. meist verkohltem Zustand. Verkohlung ist ein unvollständiger Verbrennungsvorgang unter sauerstoff- armen Bedingungen. 


Auf selten vorkommende Ablagerungsmilieus wie Eis, Salzkonservierung und im Kontakt mit Metall etc. wird hier nicht eingegangen.   


Alle geborgenen Objekte sind normalerweise biologisch tot (z.B. waren die ältesten keimfähigen Samen ca. 150 Jahre alt).


 

2. Menge und Art der Entnahme


Von Kulturschichten in Trocken- oder Mineralboden-Erhaltung, wie z. B. Begehungshorizonte, mindestens 10 Liter Sedimentmaterial pro Probe entnehmen, eher noch mehr. Um eine Funktion des Befundes interpretieren zu können ist es notwendig, von mehreren Stellen Proben zu analysieren. Manchmal ist es sinnvoll, innerhalb einer „homogenen“ Schicht von vielen Stellen eine kleinere Sedimentmenge zu entnehmen und zu einer Probe zusammenzufassen.


Von Anhäufungen z.B. verkohlten Getreides sollte eine Probe 1 Liter nicht unterschreiten. Oft ist es besser mehrere kleinere Proben von ver- schiedenen Stellen zu nehmen als eine große Probe von einer Stelle. Vorräte möglichst komplett bergen!


Bei Feuchterhaltung sind mindestens 3 Liter (1 - 5 Liter) Material pro Probe empfehlenswert (Minimum 1 Liter). Um z.B. aus römischen oder mittelalterlichen Brunnenbefunden große Obstkerne repräsentativ zu er- fassen müssen Proben von 10 Liter mit einer speziellen „Anreicherungs- methode“ durchgesehen werden.


Lassen sich Proben im Profil nehmen, dann möglichst nicht trennen, sondern komplett z.B. als Stechkastenprobe an den Botaniker geben. (Wichtig dazu: die Zeichnung und Nummerierung vom Archäologen!)   


Beispiele von Probenahme-Strategien   


1.     Proben aus flächigen Ablagerungen wie z.B. Kulturschichten


Grundsätzlich sollten zwei Arten der Probenahme kombiniert werden:


a)    systematisch: z.B. nach der Gitternetz-Methode (z.B. eine Probe aus jedem 2. Quadratmeter versetzt entnehmen). Die Grösse der Netzmaschen ist der Ausdehnung der zu beprobenden Ablagerung anzupassen (kleinere Fläche - kleinere Maschengrösse). So entnommene Proben liefern Aus- künfte darüber, was über einen längeren Zeitraum hinweg in eine Ablage- rung geriet, d.h. sie wiederspiegeln die "durchschnittlichen" Verhältnisse.


b)   subjektiv: besondere Strukturen (z.B. Anhäufungen von Getreide oder Kernen usw.) separat beproben. Solche Proben geben Auskünfte über Einzelaktivitäten und -ereignisse (z.B. Getreidereinigung und Vorratshal- tung, Anbauweise, Grabritus usw.) Sofern sichtbar, sollten Hausgrundrisse sowie weitere erkennbare Strukturen wie Herdstellen, Pfostenlöcher usw. separat beprobt und beschriftet werden.


Vorsicht: keine Schichten oder Strukturen vermischen!


 


2.      Proben aus Vertiefungen wie Gruben, Brunnen, Latrinen


Aus jeder archäologisch abgrenzbaren Schicht ist mindestens eine Probe zu entnehmen. Hat z.B. eine Grube einen grossen Durchmesser von >1,5 m, so sind aus jeder Schicht 2-3 Proben zu entnehmen, ebenso, wenn Differenzen in der Textur innerhalb desselben Horizontes auftreten. Die Probe muss eine Schicht repräsentativ erfassen, d.h. also nicht nur Material aus einer "Ecke" bergen oder aus der Mitte ausstechen, sondern wenn möglich Material aus der ganzen Fläche eines Schichtpaketes nehmen. Auch hier spezielle Ansammlungen separat bergen.


 


3.      Brandgräber


Generell den gesamten Grabinhalt entnehmen (Urneninhalt und Umgebung separat). Am besten erfolgt die Beprobung in Absprache mit dem Archäobotaniker.


 

3. Anzahl Proben:


Die Anzahl Proben richtet sich nach der Anzahl der Befunde. Für statisti- sche Auswertungen sind mindestens 10 Proben pro Auswertungseinheit (z.B. Schicht, ev. auch Befund) erforderlich. Wenn dies nicht möglich ist, (häufig der Fall), sind natürlich auch geringere Mengen auswertbar, insbesondere im Vergleich mit Proben aus anderen Grabungen.


 

4. Dokumentation der Proben


Der Probenentnahmeort soll so gewählt werden, dass er mit Befund und Stratigraphie korreliert werden kann. Das Material möglichst sauber (vorher putzen) und schonend bergen, also z.B. vermeiden, es zu stark mit einer Kelle zuzerkleinen.


Eine Auswertung ist nur im Zusammenhang mit dem archäologischen Befund und der Datierung sinnvoll!


Bitte die Dokumentation in Kopie dem archäobotanischen Bearbeiter aushändigen. Den Entnahmeort der Proben auf archäologischen Zeichnungen markieren (Planum, Profil). Die Proben können wie archäologische Funde behandelt und bezeichnet werden (z.B. Grabungsbezeichnung, Profil, Schicht, Schnitt, Struktur, Datierung usw.). Am besten ist ein Übergabeprotokoll.


Zur Lagerung bestimmte Proben sollen aussen und innen (Fundzettel, wasserfest, lichtecht in extra Beutel. Sehr gut: Bleistift auf Plastikkarten, z.B. Saatkistenetiketten aus dem Gärtnereibedarf!) beschriftet und wenn möglich nach Befunden geordnet aufbewahrt werden. 


 

5. Lagerung


Proben aus Trocken- resp. Mineralbodenablagerungen müssen für die Lagerung nicht speziell behandelt werden. Sie können bei "durchschnitt-lichen" Bedingungen aufbewahrt werden. Verkohlte Reste sind allerdings druckempfindlich: möglichst drucksicher, z.B. in festen Dosen oder Eimer mit Deckel verpacken. Eimer sind für die Lagerung auch deshalb vorzu-ziehen, da so die Auffindbarkeit einer Probe stark erleichtert wird  (ausser- dem sind sie wieder verwendbar)!


Proben aus Feuchtbodensedimenten müssen vor allem feucht bleiben (evtl. Wasser zugeben). Eine Austrocknung ist auf jeden Fall zu vermeiden! Das Material am besten ebenfalls in Eimern mit dicht schließenden Deckeln (oder notfalls in Plastiksäcken guter Qualität luftdicht verpackt, also z.B. verknotet oder verschweißt) werden und sollte immer kühl (wenn möglich unter 5 Grad Celsius; gegen Pilzwachstum) und im Dunkeln (gegen Algenwachstum) aufbewahrt werden. Dies gilt auch für unverkohltes Feuchtholz.


 

Teilweise entnommen aus: Merkblatt aus: Archäologie der Schweiz Vol. 22 (1), 1999, http://www.unibas.ch/arch/archbot/probenD.htm

http://www.dainst.org/static/dai_de_botanik.html

 

Ausführliche Informationen zum Download:

Archäobotanische Methoden (http://ipna.unibas.ch/archbot/ )